Die Zwölf Tanzenden Prinzessinnen

Ein klassisches Märchen der Brüder Grimm über zwölf Prinzessinnen, einen geheimen Mitternachtsweg und einen Soldaten, der entdeckt, wo ihre Schuhe jede Nacht abgetragen werden.

Die Zwölf Tanzenden Prinzessinnen

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Kapitel 1: Die zertanzten Schuhe.

Es war einmal, in einem hellen Königreich voller Gärten, ein König, der mit seinen zwölf Töchtern lebte. Die Prinzessinnen waren freundlich, klug und anmutig, doch sie bewahrten ein Geheimnis, das den ganzen Palast beunruhigte. Jeden Abend schloss der König ihre Kammer selbst ab, und jeden Morgen fand man ihre Tanzschuhe abgetragen, als wären sie kilometerweit über Stein gelaufen.
Der König befragte Wachen, Diener und Lehrer, aber niemand konnte es erklären. Schließlich verkündete er, wer herausfände, wohin die Prinzessinnen nachts gingen, erhalte eine königliche Belohnung und dürfe eine Prinzessin zur Frau wählen. Viele mutige Besucher versuchten es. Vor dem Schlafengehen bekam jeder einen Becher Wein, und jeder schlief bis zum Morgen, nur um wieder zerschlissene Schuhe zu finden.
Eines Tages kam ein müder Soldat zum Palast. Unterwegs hatte er einer alten Frau geholfen, Holz zu tragen, und sie hatte ihm einen Mantel gegeben, der ihn unsichtbar machen konnte. Sie warnte ihn auch, den Wein nicht zu trinken. In jener Nacht brachte ihm die älteste Prinzessin den Becher, doch er goss ihn heimlich aus und stellte sich schlafend. Als |die alte Uhr Mitternacht schlug|, hörte er Flüstern um sich. Bald |leises Schnarchen füllte das Zimmer|, denn er spielte den Schlaf überzeugend. Dann |die jüngste Prinzessin klopfte den Boden|, und ein runder Stein glitt unter ihrem Bett beiseite.

Kapitel 2: Der verborgene Weg.

Der Soldat warf den Zaubermantel über seine Schultern und folgte lautlos. Eine nach der anderen stiegen die zwölf Schwestern eine schmale Treppe hinab. Hinter ihnen |eine geheime Tür öffnete sich|, und die Kammer oben verschwand in der Dunkelheit. Der Soldat ging so vorsichtig, dass er nur einmal das Kleid der jüngsten Prinzessin streifte. Sie erschauerte und sagte, jemand folge ihnen, aber ihre Schwestern lachten und sagten, sie solle keine Schatten fürchten.
Am Ende der Treppe |ein blauer Zauber leuchtete stark| durch einen Tunnel. Dahinter stand ein Wald, wie es keinen Wald unter der Sonne gab. Die Bäume hatten Blätter aus Silber, Gold und Diamanten, und als die Prinzessinnen vorübergingen, |silberne Blätter glänzten über ihnen| wie kleine Sterne. Der Soldat brach einen silbernen Zweig ab und versteckte ihn in seinem Mantel. Er knackte leise, und wieder blickte die jüngste Prinzessin zurück, sicher, dass jemand ihr Geheimnis gehört hatte.

Kapitel 3: Der Palast unter der Erde.

Der Wald endete am Ufer eines dunklen Sees unter der Erde. Am Rand warteten zwölf Boote, jedes mit einem Prinzen im Ballgewand. Als die Prinzessinnen einstiegen, |dunkles Wasser murmelte darunter| den Rudern. Der unsichtbare Soldat schlüpfte in das Boot der jüngsten Prinzessin und machte es plötzlich schwerer. Der Prinz fragte sich, warum das Rudern in dieser Nacht so mühsam war, doch er lächelte weiter, während |die Prinzen ruderten über den See| zu einem leuchtenden Palast am anderen Ufer.
Drinnen brannten Kerzen, ohne zu schmelzen, und |Geigen sangen durch den Palast| mit so lebhafter Musik, dass die Prinzessinnen die Welt darüber vergaßen. Sie tanzten, bis ihre Schuhe ausfransten und ihre Wangen glühten. Der Soldat beobachtete alles, nahm einen goldenen Becher als Beweis und zählte jede Drehung des geheimen Tanzes. Gegen Morgen, als |die Tänzer jubelten vor Freude| nach dem letzten Lied, eilten die Prinzessinnen über den See, durch den glitzernden Wald und die Treppe hinauf zurück in ihre Betten.

Kapitel 4: Die Wahrheit im Morgengrauen.

Drei Nächte lang folgte der Soldat ihnen. Er brachte einen silbernen Zweig, einen goldenen Zweig, einen Diamantzweig und den Becher aus dem verborgenen Palast zurück. Am dritten Morgen rief der König den Hof zusammen. Die Prinzessinnen standen schweigend da, ihre abgetragenen Schuhe vor sich aufgereiht. Dann |Trompeten verkündeten die Wahrheit|, und der Soldat legte seine Beweise auf den Tisch.
Die älteste Prinzessin sah, dass das Geheimnis nicht länger verborgen werden konnte. Sie verneigte sich vor ihrem Vater und erzählte die ganze Geschichte: die Mitternachtstreppe, den verzauberten Wald, den See, die Boote und den Palast, in dem sie getanzt hatten. Der König war erstaunt, aber er war mehr erleichtert als zornig, denn seine Töchter waren in Sicherheit.
Der Soldat bat nur darum, freundlich mit ihnen umzugehen. Der König gewährte seine Belohnung, und die älteste Prinzessin, die seinen Mut und seine Barmherzigkeit bewunderte, wählte ihn zum Gefährten ihres Lebens. Ein großes Fest folgte, und |der ganze Hof applaudierte|, während die zwölf Schwestern offen im königlichen Saal tanzten, mit neuen Schuhen, ehrlichen Herzen und keiner geheimen Tür zwischen ihnen und dem Morgen.

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